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Bericht in der Mittelland Zeitung vom 18. März 2002, Thal-Gäu

Zur Nachahmung ausdrücklich empfohlen
Balsthal – Regierungsrat Straumann überreichte erstmals den Solothurner Förderpreis für Baustoffrecycling. Anlässlich der Generalversammlung der Solothurner Entsorgungsgesellschaft wurde im Gasthof Kreuz in Balsthal zum ersten Mal der Solothurner Förderpreis für Baustoffrecycling verliehen. Baudirektor Walter Straumann durfte gleich vier vorbildliche Projekte auszeichnen.
Markus Nünlist

Der Preis ist als Impuls zur Förderung der Wiederverwertung von Bauabfällen und zur Steigerung des Einsatzes von Recyclingbaustoffen im Hoch- und Tiefbau zu verstehen.» - Mit diesen Worten wird im Jurybericht die Zielsetzung zur erstmaligen Verleihung des Solothurner Förderpreises für Baustoffrecycling definiert. Das Patronat des im Mai letzten Jahres lancierten Wettbewerbs obliegt dem Bau- und Justiz-Departement sowie der Solothurner Entsorgungs-Gesellschaft AG (SEG).

Sechs Projekte wurden in der Folge eingereicht und durch die Preisjury eingehend geprüft. Diese setzte sich zusammen aus Regierungsrat Walter Straumann (Vorsitz); Jürg Lüscher, SEG; Heinz Lüthi, Vicom Baubedarf AG; René Suter, Amt für Verkehr und Tiefbau, und Roberto Rossi, Amt für Umwelt. Es wurden drei erste Preise in der Höhe von 4000 Franken vergeben, eine vierte Eingabe erhielt zudem einen speziellen Anerkennungspreis der Jury zugesprochen.

Drei Hauptpreisträger erkoren
Dem Solothurner Baudirektor, Regierungsrat Walter Straumann, fiel die ehrenvolle Aufgabe zu, die Preisgewinner bekannt zu geben und ihre Projekte vorzustellen. «Aus meiner politischen Erfahrung weiss ich, dass die Spannung zunimmt, wenn die Wahrheit dosiert daherkommt», versetzte Straumann die rund 100 Anwesenden pointiert in gespannte Erwartungshaltung.

Als Erstes zeichnete Walter Straumann die Einwohnergemeinde Lostorf für ihre vorbildliche Arbeit bei der Entsorgung von Bauabfällen aus. Die Kantonale Verordnung über Abfälle überträgt der lokalen Baubehörde den Vollzug der Vorschriften über Bauabfälle. Die Bauverwaltung von Lostorf, mit Bruno Menth als Leiter, hat sich dieser Aufgabe konsequent angenommen. Dem SEG-Inspektorat werden laufend Kopien der Bau- und Abbruchgesuche zugestellt. Der Preis wurde stellvertretend durch die Gemeindepräsidentin Ursula Rudolf entgegengenommen.

Als nächstes würdigte Walter Straumann die Verdienste der Gebrüder Jetzer Hoch- und Tiefbau AG aus Schnottwil. Ihre Umsetzung des Mehrmuldenkonzeptes sowie die Optimierung der Logistik für Recyclingbaustoffe überzeugte die Jury ebenfalls. Die Firma Jetzer bietet eine getrennte Entsorgung aller Baustellenabfälle gemäss dem Mehrmuldenkonzept des Baumeisterverbandes an. Die durch Paul Jetzer vertretene Firma hat bei der Umsetzung von Umweltschutzmassnahmen viel Eigeninitiative gezeigt. Diese Beispielfunktion in der Baubranche wurde von der Jury sehr geschätzt.

Als dritte Hauptpreisgewinner stellte Walter Straumann die Firma Gartenbau Flury + Emch aus Deitingen vor. Diese entwickelte und praktiziert den so genannten «Recycling-Trockenmauerbau» als Hangabstützung im Gartenbereich. Dazu verwenden Emch + Flury Materialien wie Asphaltabbruchstücke, Natursteinreste, alte Blockstufen, Betonpflästersteine, Rosengittersteine, Stellplatten, Tonröhren, Glasbausteine und anderes mehr. Die Jury erachtete das Verfahren der Firma als originell und innovativ, insbesondere vom Gesichtspunkt der Aufwertung des Images der Recyclingbaustoffe. Walter Straumann meinte zu den preisgekrönten Trockenmauern zwar: «Für mich sieht das eher nach einem Durcheinander aus.» Trotzdem erhielten Peter Emch und Ueli Flury aus Händen des Baudirektors nebst dem Geldpreis die Auszeichnung für das originellste und innovativste Projekt, eine Skulptur von Wolfgang Brunner aus Rickenbach, überreicht.

Sonderpreis für Stahl Gerlafingen AG
Noch war nicht genug des Preissegens. Die Jury hielt es für angemessen, einen speziellen Anerkennungspreis für eine vierte Wettbewerbseingabe zu vergaben. Dieser ging an die Stahl Gerlafingen AG als Würdigung ihrer jahrelangen Anstrengung zur umweltgerechten Verwertung von Elektroofenschlacke (EOS) als Kieskoffer. Bei der Eindeckung der Nationalstrasse A5 im Raum Grenchner Witi beispielsweise wurden rund 40 000 Kubikmeter EOS als Recyclingbaustoff für die Kofferung der Fahrbahnen verwendet. Aus Sicht der Umwelt stellt die Verwendung von EOS eine gute Lösung zur sinnvollen Verwertung von industriellen Nebenprodukten dar. Den speziellen Anerkennungspreis der Jury, eine Tisch-Plastik von Thomas Schaub aus Kappel, überreichte Regierungsrat Straumann an Walter Gubler, Direktor der Stahl Gerlafingen AG, und Eduard Bürki, der die Wettbewerbseingabe gemacht hatte.

Hoffnung auf grössere Teilnahme
Zum Schluss der Preisvergabe verlieh Regierungsrat Straumann seiner Hoffnung Ausdruck, dass für den nächsten Wettbewerb um den Förderpreis für Baustoffrecycling deutlich mehr Eingaben erfolgen als bei der Erstauflage.

Diesem Wunsch schloss sich auch Jürg Lüscher von der Solothurner Entsorgungs-Gesellschaft an, allerdings nicht ohne Behörden und Planer aufzufordern, sich noch mehr für die Verwendung von Sekundär-Baumaterialien einzusetzen. Diese Gremien hätten es in der Hand, dass solche Materialien vermehrt eingesetzt werden. Der lancierte Förderpreis sei zudem mit Sicherheit ein visionärer und richtiger Schritt in diese Richtung, schloss Lüscher den offiziellen Teil des Anlasses.


 
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